Willkommen bei der Tour de Berlin
Welcome to the Tour de Berlin

Die Geschichte der heutigen Tour de Berlin

- Der Anfang geht auf 1953 zurück mit „Itze“ Irrgang als erstem Sieger –

 

Die vom 14.05. bis 17.05.2015 zur Austragung kommende Tour de Berlin ist die bereits 63. in der langen Geschichte dieser Rundfahrt, die 1953 erstmals im damaligen Westberlin zur Austragung kam und auf Initiative des langjährigen Pressewarts des Berliner Radsport Verband e.V., Paul Szostak, entstanden ist. Der gleichfalls Vorsitzende des BRC Endspurt verhalf gemeinsam mit seinen Freunden Willy Vegelahn und Paul Pöschke dem Rennen zur nötigen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und als Berliner Vier-Etappenfahrt wurde das Rennen alsbald über die Grenzen hinaus international bekannt.

 

Fast ausschließlich zwischen Himmelfahrt und dem darauf folgenden Wochenende wurde die Rundfahrt in den meisten Jahren ausgetragen und der erste Sieger 1953 war schließlich ein Berliner namens Willy Irrgang, den alle nur „Itze“ riefen und der für den BRC Endspurt in die Pedalen trat und den Schweden Lund auf den zweiten Platz verwies. Es war zunächst „seine“ Rundfahrt, denn auch in den folgenden Jahren konnte er als Zweiter (1954) und Dritter (1955) durchaus überzeugen.

 

Die Tour hat aber auch ganz große Namen hervorgebracht, die später im internationalen Profigeschäft für einige Highlights sorgten. Sie war Treffpunkt der nationalen und internationalen Elite der Amateure, die sich hier ihre ersten Sporen verdienten. So waren spätere Profis wie die Belgier Frans Aerenhouts (1957) und Emile Daems (1958) Gesamtsieger, während ihre Landsleute Walter Godefroot, Roger Swerts oder Rudy Pevenage diverse Etappensiege erzielten. In den Jahren nach dem Mauerbau hatte die Vier-Etappenfahrt die starke Konkurrenz der internationalen Friedensfahrt zu fürchten, die teilweise parallel stattfand und die besten Amateurfahrer nicht nur des Ostblocks am Start sah. Dennoch fuhren auch im westlichen Teil der Hauptstadt immer wieder Fahrer, die es später zu etlichem Ruhm gebracht haben und auf eine beachtenswerte Karriere verweisen können.

 

Aus diversen Statistiken über dieses Rennen lässt sich aber auch ersehen, dass viele später hervorragende deutsche Fahrer hier erste Akzente setzen konnten, wobei auch etliche Rennfahrer aus Berlin in den verschiedensten Siegerlisten auftauchen. Herausragend ist besonders die Leistung von Burkhard Ebert, der in Berlin der NRVG Luisenstadt angehörte und nicht weniger als zehn Etappen in der Zeit von 1963 bis 1971 gewann und dazu auch viermal den Gesamtsieg davontrug. Während er nie als Profi unterwegs war, gelang seinem Vereinskameraden Dieter Puschel 1960 der Gesamtsieg, ohne einen einzigen Etappensieg errungen zu haben. Dafür startete Puschel eine durchaus bemerkenswerte Profikarriere, in der er sieben Mal  an der Tour de France teilnahm und dabei mit Platz 15 seine beste Platzierung in der Gesamtwertung erreichte.

 

Deutsche Sieger zu jeder Zeit present

 

International war die Berliner Vier-Etappenfahrt immer gut besetzt und dennoch boten deutsche Fahrer der Konkurrenz gewaltig Paroli. Sie holten nicht nur Etappensiege, sondern konnten sich auch in der Gesamtwertung an der Spitze behaupten und so manchen Sieg erringen. Der für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) fahrende Berliner Lutz Löschke gewann die Tour 1965, Erwin Tischler siegte für den BDR 1972, selbst der zweimalige Steherweltmeister Rainer Podlesch vom RC Charlottenburg hatte 1977 die Nase vorn. Es gab aber auch immer wieder ausländische Erfolge, die u.a. von Werner Blaudzun aus Dänemark (1970), den Norwegern Thorleif Andresen (1974) und Morten Saether (1979/1983) und von Harry Hannus aus Finnland (1980) erzielt wurden.     

 

Ein weiterer Berliner Verein, der BRC Zugvogel, schrieb ebenfalls Tourgeschichte, denn die für diesen Verein aktiven Fahrer Ortwin Czarnowski, Jürgen Kraft und Peter Becker konnten sich ebenfalls als Sieger auszeichnen lassen. Diesen Erfolg konnte auch der Weltmeister und Olympiasieger Guido Fulst verbuchen, der 1996 für das Bahnteam Berlin die Rundfahrt gewann. Sogar ein US-Amerikaner trug sich erstmals mit Jeff Pierce 1985 in die Siegerliste ein und mit dem schnellen Italiener Giovanni Lombardi, der 1989 siegte, sowie mit Steffen Wesemann (Sieger 1991) waren zwei später äußerst erfolgreiche Profis auf dem obersten Treppchen der traditionsreichen Rundfahrt zu finden.

 

Aus Vier-Etappenfahrt wird Tour de Berlin

 

Seit 1998 hat die Rundfahrt nun einen neuen Namen und wird seit der 46. Austragung als Tour de Berlin präsentiert. Neben einer Gesamtstatistik seit 1953 veröffentlichen wir in dieser Sonderausgabe separat eine Statistik über die Gesamtsieger und Platzierten sowie der Etappensieger seit der Neuausrichtung im Jahre 1998. Auch hier lässt sich erkennen, dass in bislang 17 Austragungen der Tour de Berlin, die seit Jahren verstärkt durch das Berliner Umland führt, die nationale und internationale Klasse des Radsports immer wieder den Weg nach Berlin gefunden hat. Dabei ist die Tour seit dem Jahre 2001 ausschließlich für Fahrer der Klasse U 23 offen, die nur sehr wenig Möglichkeiten haben, sich in Mehretappenrennen für die Profilaufbahn zu empfehlen.

 

Insofern ist die Tour de Berlin für den Nachwuchs ein willkommender Wettkampf, aus dem in den vergangenen Jahren unzählige, heutzutage hochkarätige Profis hervorgegangen sind. Nennen wir nur Namen wie den dreimaligen britischen Etappensieger Mark Cavendish, den dänischen Bahnspezialisten und Gesamtsieger der Tour 2006 Alex Rasmussen, den Italiener Mirco Lorenzetto, den Schweizer Sieger des Jahres 2003 Andreas Dietziker, die darauf folgenden Sieger Tom Veelers aus den Niederlanden oder Dominique Cornu aus Belgien, die alle in Berlin erste Schritte zur internationalen Spitze unternommen haben. Nicht zu vergessen sind auch Fahrer wie der Niederländer Robert Gesink, der Brite Geraint Thomas, der Italiener Oscar Gatto, die Belgier Kenny de Ketele und Jürgen Roelandts, die Franzosen Jerome Coppel und Cedric Pineau oder der Däne Michael Mörköv, die allesamt schon die Starterlisten in Berlin zierten.

 

In dieser Nachwuchsklasse waren aber auch deutsche Fahrer unterwegs, die mittlerweile sich einen Namen gemacht haben. Dazu zählen in erster Linie der Etappensieger von 2003 Andre Greipel, sein langjähriger Freund und Mannschaftskamerad Marcel Sieberg, der sogar vier Etappensiege in Berlin herausfuhr, sowie Linus Gerdemann, Roger Kluge, Rüdiger Selig, Gerald Ciolek, Simon Geschke oder die Gesamtsieger Jasha Sütterlin und Nikias Arndt. Im Jahre 2013 waren auch die großen Talente Silvio Herklotz und Phil Bauhaus am Start, die sich im letzten Jahr etablieren und einige bemerkenswerte Ergebnisse herausfahren konnten. Von ihnen wird mit Sicherheit noch in den nächsten Jahren zu hören sein.



Bernd Mülle
Pressewart

 







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